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Parlament will von Ashton ‚konkrete’ Antworten [DE]

Veröffentlicht 03. Dezember 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Catherine Ashton, die vor kurzem zur neuen Hohen Vertreterin der EU für Außenpolitik ernannt wurde, unterzog sich gestern (2. Dezember) einer Fragestunde im Europäischen Parlament. Europaabgeordnete fanden ihre Antworten dabei „zu unbestimmt“ und „allgemein“.

Ashton unterzog sich am Mittwoch (2. Dezember) einem zweistündigen Verhör von Europaabgeordneten, bei der sie ihre kontroverse Nominierung als erste Chefin der EU-Außenpolitik unter dem Lissabon-Vertrag verteidigte.

Sie wird jedoch nicht um eine weitere, möglicherweise bedeutendere Überprüfung Mitte Januar herumkommen, die vor der für den 26. Januar vorgesehenen Parlamentsabstimmung über die zweite Barroso-Kommission stattfindet.

Nach dem Verfahren, auf das sich die Parlamentschefs geeinigt hatten, musste Ashton Gruppen von Fragen in vierminütigen Zeitspannen beantworten, was ihr letztendlich nicht viel Zeit gab, ihre Ansichten zu entwickeln. Dieses Verfahren schien ihr dabei zu helfen, einer Reihe schwieriger und konkreter Fragen auszuweichen.

Mehrere Male entschuldigte sich Ashton und sagte, es sei erst er ihr „zweiter Tag” im neuen Amt (seit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags). Sie versprach genauere Antworten im Januar.

Viele Fragen bezogen sich auf den Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD), der 6.000-köpfigen Verwaltung, die vom Lissabon-Vertrag eingeführt wurde und die von ihr geleitet werden soll.

Zu diesem Zeitpunkt arbeite sie jedoch alleine, sagte sie. „Ich habe nichts außer mir selbst. Das ist keine Ausrede, das ist einfach die Realität. Wir arbeiten immer noch daran, herauszufinden, was der Vertrag [von Lissabon] bedeutet: in Bezug auf unseren Haushalt, in Bezug auf unsere Beziehung mit der rotierenden [EU] Präsidentschaft – all diese Sachen sind ganz neu. Also kann ich nur sagen, dass es nicht wirklich überraschend ist, wenn ich Ihnen keine vollständige Antwort geben kann“, sagte Ashton den MdEPs.

‚Ich weiß, wo der Kaffee ist’

Zu den wenigen konkreten Einzelheiten, die sie bekannt gab, gehörte die Tatsache, dass sie sofort damit beginnen werde, den neuen Dienst aufzubauen. Ihr Ziel sei es, einen Vorschlag auszuarbeiten, der es dem Rat ermöglichen werde, bis Ende April eine Entscheidung zu fällen.

Auf die Frage nach ihrem zukünftigen Arbeitsort sagte Ashton, dass der EAD sein eigenes Gebäude haben werde, dass ihr Büro aber in der Kommission sein werde.

„Meine Büroarbeit wird sich im Kommissionsgebäude abspielen. Aus zwei einfachen Gründen: Ich weiß, wo der Kaffee ist, und ich weiß, wie das Gebäude funktioniert, also muss ich über die entsprechende Logistik nicht nachdenken. Es ist auch – was der allerwichtigste Grund ist – eine große Chance, nicht in dem Gebäude zu sein, weil ich die meiste Zeit im Ratsgebäude, aber auch außerhalb Brüssels, außerhalb der EU arbeiten werde“, sagte sie.

Ashton sagte, sie sei tatsächlich „mit einem leeren Blatt Papier” ins Europäische Parlament gekommen und forderte die Europaabgeordneten dazu auf „darauf zu schreiben“. Januar werde eine viel bessere Diskussionsgelegenheit bieten, versprach sie.

Britische MdEPs greifen Ashton an

Während die meisten Fraktionen Ashton freundlich begegneten, wurde sie vom Europaabgeordneten David Bannerman der United Kingdom Independence Party (UKIP) heftig attackiert, der sie fragte, ob sie in den 1980ern Geld von Ländern des Sowjetblocks angenommen habe, als sie für eine Anti-Atomwaffen-Gruppe arbeitete (EurActiv vom 26. November 2009). Bannerman forderte sie dazu auf zu erklären, warum die Herkunft einiger der gesammelten Gelder nicht geklärt sei.

Ashton wurde auch vom MdEP Charles Tannock von der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (ECR) angegriffen, weil sie sich niemals einer Wahl gestellt habe, sowie von seinem ECR-Kollegen Geoffrey Van Orden, der sie fragte, ob sie zurücktreten werde, wenn der Oppositionsführer David Cameron in Großbritannien Premierminister werden würde.

Ashton sagte Bannerman, sie selbst habe zu der Zeit, als die Gelder gesammelt wurden, eine Überprüfung angeordnet. Jedoch seien Teile des Geldes auf der Straße mit Eimern gesammelt worden. „Ich hoffe, nächstes Mal stellen Sie mir eine außenpolitische Frage“, sagte sie.

Auf Tannocks Einwand antwortete sie, dass sie gemäß den EU-Verträgen von den Regierungschefs der EU gewählt worden sei. „Ich mag vielleicht nicht Ihre Wahl sein, aber ich scheine ihre zu sein“, sagte sie unter Beifall.

Als Reaktion auf Van Orden wies Ashton darauf hin, dass sein Parteichef, David Cameron, der erste gewesen sei, der ihr am 19. November gratuliert habe. „Ich habe noch seine Voicemail-Nachricht, wenn Sie sich die anhören wollen“, fügte sie hinzu.

Bei Nord Stream ertappt

Bei einer Frage jedoch machte Ashton den Eindruck, dass sie nicht weiterwisse. Der litauische Abgeordnete Vytautas Landsbergis, der erste Staatschef des Landes nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion, sprach sich gegen die geplante Gas-Pipeline Nord Stream zwischen Russland und Deutschland unter der Ostsee aus.

Landsbergis sagte, dass neben Sorgen um den Umweltschutz die Pipeline von der russischen Marine überwacht werden solle, und bat um einen Kommentar. Ashton hinterließ den Eindruck, ihr sei nicht klar, dass die Pipeline als paneuropäisches Projekt gemäß den Energierichtlinien der ‚Transeuropäischen Netze’ der EU betrachtet wird. Bei ihrer Antwort musste sogar ein MdEP ihres eigenen Lagers, Hannes Swoboda (S&D, Österreich), einschreiten und die Sache richtig stellen.

Stellungnahmen: 

„Catherine Ashton muss die Vertreterin der Gemeinschaftsmethode sein”, verlangte der Koordinator der Europäischen Volkspartei im Ausschuss Auswärtige Angelegenheiten, der deutsche Europaabgeordnete Elmar Brok (EVP), während der Debatte.

Ashton werde die Rolle des Europäischen Parlaments berücksichtigen müssen, denn die europäische Außen- und Sicherheitspolitik sei nicht die ausschließliche Zuständigkeit der EU-Mitgliedstaaten. „Als Vizepräsidentin der Europäischen Kommission ist die Hohe Vertreterin dem Europäischen Parlament Rechenschaft schuldig“, sagte er.

Der neue Europäische Außendienst, der bald geschaffen werden soll, müsse ebenfalls unter parlamentarische Kontrolle fallen. „Die Außenpolitik der EU untersteht der parlamentarischen Kontrolle, vor allem in Bezug auf den Haushalt und die Kontrolle der Umsetzung einzelner Programme und Initiativen. Das Europäische Parlament wird seine Haushaltsrechte und seinen Einfluss auf die Finanz- und Personalvorschriften ernst nehmen“, schloss Brok.

Die MdEPS der Grünen/EFA und außenpolitischen Sprecherinnen Franziska Brantner und Ulrike Lunacek kommentierten: 

„Baroness Ashton hat ein positives Signal ausgesendet, indem sie bereits am zweiten Tag im Amt als Hohe Vertreterin ins Europäische Parlament gekommen ist. Sie hat gezeigt, dass sie schlagfertig und zum Zuhören bereit ist – nun müssen wir ihre Führungsqualitäten und ihre Vision für die EU auf der Weltbühne sehen. Wir fordern Baroness Ashton dazu auf, ihre Prioritäten für den auswärtigen Dienst der EU bis Januar nächsten Jahres zu erläutern.“

„Baroness Ashton wird eine klare europäische Stimme liefern und die Methoden und Interessen der Gemeinschaft verteidigen müssen. Um in ihrer neuen Rolle erfolgreich zu sein, muss sie sich gegenüber den europäischen Bürgern verpflichtet fühlen, nicht nur gegenüber den Mitgliedstaaten. Vieles im Europäischen Auswärtigen Dienst muss noch geklärt werden. Damit hat sie die einmalige Gelegenheit, eine neue Tradition der europäischen Diplomatie einzuleiten, die über enge nationale Interessen hinausgeht und für Beiträge aus der Zivilgesellschaft und von anderen Akteuren offen ist. Wir wollen eine klare Bekennung zu Abrüstung, Nichtverbreitung von Atomwaffen, Friedensschaffung und ziviler Krisenbewältigung sehen“, schlossen die MdEPs der Grünen.

Der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Konservativen und Reformisten (ECR) Timothy Kirkhope sagte in einer Erklärung:

„Obwohl wir entschieden gegen die Ernennung Tony Blairs waren, haben wir auch starke Bedenken bezüglich der Erfahrung einer unbekannten Baroness Ashton in einer außenpolitischen Rolle, die in der Vergangenheit von Schwergewichten wie Javier Solana ausgeübt wurden. Wir hätten daher einen britischen Kommissar in einem wirtschaftlichen Bereich wie Binnenmarkt oder Wettbewerb vorgezogen.“

„Wir waren positiv davon überrascht, wie sie mit einer Reihe schwieriger Fragen umging. Obwohl ihre Antworten inhaltsleer waren, wiesen viele ihrer Antworten auf jemanden hin, der gut unterrichtet und geschickt im Beantworten politisch anspruchsvoller Fragen ist“, sagte er.

„Wir werden Baroness Ashton zur Rechenschaft ziehen und ich werde ihre Erklärungen und politischen Ankündigungen aufmerksam verfolgen. Jedoch sind wir nach diesem ersten Ausflug bezüglich ihrer Fähigkeiten vorsichtig optimistisch“, schloss Kirkhope.

Nächste Schritte: 
  • 11.-19. Jan. 2010: Befragungen der designierten Kommissare im Europäischen Parlament. 
  • 26. Jan. 2010: Plenarabstimmung über die Barroso II Mannschaft.
Hintergrund : 

Die neue Europäische Kommission, für eine zweite aufeinander folgende Amtszeit von José Manuel Barroso angeführt, umfasst neun Frauen und einige neue Ressorts. Zum ersten Mal beinhaltet sie eine Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, die gleichzeitig Vizepräsidentin der Kommission ist.

Catherine Ashton – Baroness Ashton of Upholland – wurde 1956 geboren und studierte Soziologie, bevor sie eine Karriere in der britischen Innenpolitik begann, die als Anführerin der britischen Labour-Partei im House of Lords ihren Höhepunkt erreichte. Sie wurde 2008 zur EU-Handelskommissarin ernannt (EurActiv vom 22. Oktober 2008).

Ashton wurde einstimmig von den EU-Staats- und Regierungschefs gewählt, die ebenfalls einstimmig den belgischen Ministerpräsidenten Herman Van Rompuy als ersten ständigen EU-Präsidenten unterstützten (EurActiv vom 20. November 2009).

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