Sarkozys Drohung, dass keine weitere Erweiterungsrunde durchgeführt werde, solange der Lissabon-Vertrag nicht in Kraft ist, schlägt weiterhin Wellen, insbesondere in den Ländern, in denen die Ratifizierung des neuen EU-Vertrags sich als problematisch erweist.
Es sei schlicht nicht wahr; Erweiterung könne auch ohne den Vertrag vorgenommen werden, sagte der tschechische stellvertretende Premierminister Alexandr Vondra in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg am 7. Juli 2008. Es sei eine Art Lüge. Es sei nicht unmöglich. Es gehe hier um politischen Willen, fügte er hinzu.
Die Tschechen besäßen diesen politischen Willen und würden die Erweiterung nach Süd- und Südosteuropa als eines ihrer zentralen Themen verfolgen, wenn das Land im Januar 2009 die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, sagte Vondra, der für europäische Angelegenheiten zuständig ist.
Doch eine Weiterverfolgung der Erweiterung sei leichter gesagt als getan. Diplomaten haben wiederholt betont, es sei nicht schwierig, eine Einigung über den Beitritt Kroatiens zu erreichen – ein Kandidat, von dem man glaubt, er sei fast bereit für den Beitritt und der starke Unterstützung seitens der EU-Mitglieder erhält. Doch für andere mögliche neue Mitglieder ist die vorherrschende Meinung, dass die Erweiterungsperspektive aufrechterhalten werden sollte, bis diese Länder bereit seien. Bisher glaubt von keinem anderen Kandidaten, dass er bereit ist, mittelfristig der Union beizutreten.
Einem Diplomat zufolge werde das einzige Opfer tatsächlich Kroatien sein, wenn Sarkozy mit seinem harten Kurs fortfahre. Frankreich sei in dieser Frage vollkommen isoliert, sagte der Diplomat EurActiv gegenüber und fügte hinzu, dass Paris auf der einen Seite und Prag und Warschau auf der anderen Seite „einander viel zu sagen hätten“. Er forderte sie auf, ihre Differenzen zu überwinden, statt die Erweiterung als Druckmittel zu benutzen.



